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Soziale Ungleichheit und chronische Rückenschmerzen bei Erwachsenen in Deutschland

Benjamin Kuntz, Jens Hoebel, Judith Fuchs, Hanne Neuhauser, Thomas Lampert

Rückenschmerzen sind ein häufiger Grund für Arbeitsunfähigkeit und die Inanspruchnahme von Versorgungsleistungen. Dabei entstehen entsprechend hohe Kosten. Untersucht wird, wie häufig chronische Rückenschmerzen in der erwachsenen Allgemeinbevölkerung auftreten und inwieweit sozioökonomische Unterschiede bei deren Verbreitung bestehen. Drei Erhebungswellen (2009, 2010, 2012) der vom Robert Koch-Institut (RKI) durchgeführten bundesweiten Studie „Gesundheit in Deutschland aktuell“ (GEDA) wurden gemeinsam ausgewertet (n = 62.606 ab 18 Jahre). Selbstangaben zu Rückenschmerzen, die drei Monate oder länger anhalten, wurden verwendet, um die Lebenszeit- und 12-Monats-Prävalenz chronischer Rückenschmerzen zu bestimmen. In den Analysen zu sozioökonomischen Unterschieden wurden neben einem aggregierten SES-Index auch dessen Einzeldimensionen Bildung, Berufsstatus und Einkommen herangezogen. Rund jeder sechste Mann (17,1 %) und jede vierte Frau (24,4 %) war in den letzten zwölf Monaten von chronischen Rückenschmerzen betroffen. Je geringer der SES, desto höher war die 12-Monats-Prävalenz chronischer Rückenschmerzen (Relative Index of Inequality (RII) [95-%-KI], Männer = 2,29 [2,04–2,56], Frauen = 1,92 [1,76–2,09]). Diesen SES-Effekten, die sich auch bei der Lebenszeitprävalenz zeigten, lagen bei beiden Geschlechtern jeweils eigenständige Effekte von Bildung, Berufsstatus und Einkommen zugrunde. Rückenschmerzen sind in Deutschland weit verbreitet. Die verschiedenen Dimensionen sozialer Ungleichheit sind unabhängig voneinander mit dem Auftreten chronischer Rückenschmerzen assoziiert. Dieser Befund deutet auf Herausforderungen, aber auch auf Chancen von Therapie- und Präventionsstrategien hin, die verhaltens- und settingorientierte Maßnahmen kombinieren.